Die Geschichte von Wickrath reicht bis ins Mittelalter zurück, mit der ersten urkundlichen Erwähnung der Burg im Jahr 1068, und entwickelte sich von einer Reichsherrschaft über eine preußische Gemeinde bis zum heutigen Stadtteil von Mönchengladbach.
Mittelalter und Frühe Neuzeit
Die Geschichte Wickraths beginnt mit der ersten Erwähnung der Burg Wickrath im Jahr 1068. Um die Burg entwickelte sich die Herrschaft Wickrath. Ab 1488 war die Herrschaft ein Reichslehen des Kaisers, das 1502 an die Herren von Quadt ging. Die Herren von Quadt wurden 1752 zu Reichsgrafen erhoben. Ende des 15. Jahrhunderts (um 1498) etablierte sich das Kreuzherrenkloster als ein Bildungszentrum in der Region. Die Siedlung erhielt Stadt- und Marktrechte, deren 500-jähriges Jubiläum später gefeiert wurde.
Preußische Zeit und Industriezeitalter
Im Jahr 1794 wurde Wickrath von französischen Truppen besetzt. Nach den Befreiungskriegen fiel es 1815 an Preußen und wurde Teil der preußischen Rheinprovinz. Napoleon ließ 1806 ein Hengstdepot auf dem Schlossgelände errichten, das die Grundlage für die jahrhundertealte Tradition der Pferdezucht bildete. 1839 wurde das Königliche Landgestüt von Engers nach Wickrath verlegt, was Wickrath zu einem Zentrum der Kaltblutzucht machte, berühmt für seine Hengstparaden. Ein wichtiger Wirtschaftsfaktor wurde auch die 1855 gegründete Gerberei, die sich zur bedeutenden Wickrather Lederfabrik AG entwickelte.
20. Jahrhundert bis Heute
Im Ersten Weltkrieg wurden die Kirchenglocken zu Kanonen eingeschmolzen, und im Zweiten Weltkrieg erlitt der Ort, insbesondere die katholische Kirche, schwere Bombenschäden. 1957 wurde das Landgestüt nach Warendorf verlegt, was einen großen Einschnitt für die Gemeinde bedeutete.
Das Ende der Selbstständigkeit kam am 31. Dezember 1974, als die Gemeinde Wickrath im Rahmen der kommunalen Neuordnung zusammen mit Rheydt in die neue Stadt Mönchengladbach eingegliedert wurde. Das historische Schloss Wickrath dient heute als Kulisse für Veranstaltungen und ist der Gründungsort des Rheinischen Pferdestammbuchs, das 2002 dorthin zurückkehrte. Seit 2010 bildet Wickrath zusammen mit Rheindahlen den Bezirk West der Stadt Mönchengladbach.
Wickrath ist reich an lokalen Erzählungen, die von der glanzvollen Zeit der Herrschaft Wickrath bis hin zu kuriosen Alltagsbegebenheiten reichen.
Historische Anekdoten rund um Schloss Wickrath
Das heutige Schloss, eine barocke Wasserschlossanlage in Form einer fünfzackigen Grafenkrone, bietet den Hintergrund für zahlreiche Überlieferungen:
- Die Glockenweihe: Ein besonderes Ereignis war die Glockenweihe der katholischen Kirche St. Antonius. Fünf neue Glocken wurden in einem feierlichen Zug von sechs Pferden durch den Ort gezogen, die der bekannte Pferdezüchter Peter Schmitz zur Verfügung stellte.
- Fürstlicher Besuch: Der Heimatverein pflegt die Verbindung zur ehemaligen Herrschaft. So war Fürst Paul von Quadt (verstorben 2011) auf Einladung regelmäßig mit seiner Familie zu Gast, um die Verbindung zu seinem ehemaligen Stammsitz zu pflegen.
- Die „Hirtengeschichten“: Ein lokales Werk porträtiert die Wickrather Geistlichen seit dem 16. Jahrhundert und enthält zahlreiche menschliche Anekdoten über die Pfarrer der Region.
Das 20. Jahrhundert: Einzelschicksale und Kurioses
Die jüngere Geschichte Wickraths wird durch persönliche Schilderungen lebendig:
- Mädchenjahre im Ghetto: Die ehemalige Wickratherin Hilde Schermann-Zander hielt ihre leidvollen Erfahrungen im Dritten Reich in einem Buch fest. Heute erinnert ein Stolperstein in Wickrathberg an ihr Schicksal.
- Internationale Treue: Ein ehemaliger Bürger namens Freddy Spier reiste bis in die 1990er Jahre regelmäßig aus New York zurück in seine alte Heimat, um seine langjährigen Freunde, insbesondere die Familie Kuhlen, zu besuchen.
- Industrie-Echos: Der Großbrand und anschließende Abriss der Wickrather Lederfabrik markierte das Ende einer Ära, die den Ort über Jahrzehnte wirtschaftlich prägte.
Orte für Geschichten heute
Wer tiefer in die lokale Erzählkultur eintauchen möchte, findet in Wickrath authentische Treffpunkte:
- Gaststätte „Zum Weystübel“: Der Inhaber Rene gilt in Wickrath als „Kult“, und die Gaststube ist bekannt für ihre urige Atmosphäre und lokale Geschichten.
- Heimatverein Wickrath: Der Verein veröffentlicht regelmäßig Chroniken und Bücher wie „Was die Niers uns flüstert“, die speziell Anekdoten und ungewöhnliche Begebenheiten aus dem alten Wickrath sammeln.
- Schlossparkführungen: In den Sommermonaten finden spezielle Führungen statt, bei denen Geschichte direkt vor Ort erzählt wird.

