Der Wasserturm Rheydt ist ein bedeutendes Industriedenkmal im Mönchengladbacher Stadtteil Rheydt. Er wurde 1895 errichtet, um die städtische Wasserversorgung im Zuge der zunehmenden Verstädterung und Industrialisierung sicherzustellen.
Architektur und Technische Daten
Das Bauwerk zeichnet sich durch eine klassische Gliederung in Unterbau, Schaft und Kopfstück aus.
- Höhe: Der Turm ist insgesamt 41,80 Meter hoch.
- Unterbau: Der ca. 12 Meter hohe, achteckige Unterbau ist geböscht und verjüngt sich nach oben hin.
- Sockel: Der Sockeldurchmesser beträgt 13,5 Meter.
- Standort: Er befindet sich in exponierter Lage auf einer Anhöhe am Straßentreffpunkt Wickrather Straße / Reststrauch.
Historische Bedeutung und Denkmalschutz
Der Wasserturm ist ein Zeugnis der technischen Infrastruktur des späten 19. Jahrhunderts. Er diente dazu, einen konstanten Wasserdruck im Leitungsnetz aufrechtzuerhalten und Trinkwasserreserven zu speichern. Aufgrund seiner architektonischen und stadtgeschichtlichen Relevanz ist das Bauwerk in die Denkmalliste der Stadt Mönchengladbach aufgenommen worden.

Abgrenzung zum „Neuen Wasserturm“
Oft wird der Wasserturm Rheydt mit dem bekannteren Wasserturm an der Viersener Straße verwechselt. Letzterer ist ein 1909 errichteter Jugendstilbau mit einer Höhe von 51 Metern, der als „schönster Wasserturm Deutschlands“ gilt und heute noch aktiv für die Wasserversorgung genutzt wird. Der Turm in Rheydt hingegen repräsentiert die frühere Phase der Wasserversorgung der damals noch eigenständigen Stadt Rheydt.
Besichtigung
Während der Jugendstil-Wasserturm an der Viersener Straße regelmäßig für Besucher geöffnet ist (z. B. am ersten Samstag im Monat), dient der Wasserturm Rheydt primär als architektonisches Wahrzeichen im Stadtbild und kann von außen besichtigt werden.
Historische Wassertürme wie der in Rheydt basieren auf einfachen physikalischen Gesetzen, die eine zuverlässige Wasserversorgung ohne komplexe Steuerungselektronik ermöglichten.
1. Das Prinzip der kommunizierenden Röhren
Die wichtigste Grundlage ist das Prinzip der kommunizierenden Röhren:
Der Wasserturm und die Hausleitungen der Stadt bilden ein zusammenhängendes System.
In oben offenen, verbundenen Gefäßen strebt Wasser immer den gleichen Pegelstand an.
Da der Behälter im Turm höher liegt als die Wasserhähne in den Häusern, drückt das Gewicht der Wassersäule im Turm das Wasser durch die Leitungen nach oben.
2. Hydrostatischer Druck (Schweredruck)
Der Wasserdruck im Netz wird allein durch die Schwerkraft und die Höhe des Turms bestimmt:
Pro 10 Meter Höhe entsteht ein Druck von ca. 1 Bar.
Ein 40 Meter hoher Turm (wie in Rheydt) erzeugt somit an seinem Fuß einen Druck von etwa 4 Bar, was ausreicht, um auch obere Stockwerke zu versorgen.
3. Pufferung von Verbrauchsspitzen
Der Turm fungiert als hydraulischer Akku:
Nachts: Wenn wenig Wasser verbraucht wird, pumpen die Wasserwerke überschüssiges Wasser in den Turmbehälter.
Tagsüber: Bei hohen Verbrauchsspitzen (z. B. morgens) fließt mehr Wasser aus dem Turm ins Netz, als die Pumpen im Wasserwerk gleichzeitig fördern könnten.
Dies schont die Pumpen, da diese konstant durchlaufen können und nicht auf jede Schwankung reagieren müssen.
4. Technische Komponenten
- Speicherbehälter: Meist im oberen Drittel platziert. Historisch oft als Intze-Behälter ausgeführt, eine spezielle Bauform mit gewölbtem Boden, die die Lasten optimal in den Turmschaft ableitet.
- Steig- und Fallrohre: Getrennte Leitungen führten das Wasser nach oben in den Tank bzw. nach unten ins Versorgungsnetz.
- Überlauf: Verhindert das Überlaufen des Tanks, falls die Pumpen nicht rechtzeitig abgeschaltet werden.
5. Frostschutz
Um das Einfrieren im Winter zu verhindern, wurden die Behälter oft mit einer mauerwerksbasierten Ummantelung versehen, die eine isolierende Luftschicht einschluss. In sehr kalten Regionen gab es im Turmfuß manchmal sogar kleine Öfen zur Beheizung des Schafts.
Wasserturm Rheydt
Besichtigung des Wasserturms
Eine regelmäßige Innenbesichtigung des Wasserturms an der Wickrather Straße in Rheydt ist derzeit nicht möglich. Der Turm dient weiterhin der aktiven Wasserversorgung und ist im Gegensatz zum bekannten Jugendstil-Wasserturm an der Viersener Straße nicht für den Publikumsverkehr geöffnet.
Falls Sie einen Wasserturm in Mönchengladbach von innen sehen möchten, gibt es zwei Alternativen:
- Wasserturm Viersener Straße (Hauptturm):
- Offene Besichtigung: Von März/April bis August/September jeweils am ersten Samstag im Monat.
- Uhrzeiten: Kostenlose Führungen finden meist um 10:00, 11:00 und 12:00 Uhr ohne Voranmeldung statt.
- Highlights: Aufstieg über 234 Stufen mit Panoramablick über die Stadt.
- Individuelle Touren: Gruppenführungen können unter der Woche über das Portal DeinMG gebucht werden.
