Mönchengladbach

Mönchengladbach ist ein lebendiger Schmelztiegel am Niederrhein, in dem Menschen aus rund 150 Nationen zusammenleben. Diese kulturelle Mischung prägt das Stadtbild – von internationalen Supermärkten in Rheydt bis hin zu interkulturellen Festivals. 

Die Stadt verzeichnet eine wachsende Vielfalt. Ende 2022 lag der Anteil an Ausländerinnen und Ausländern bei etwa 20,9 %. Besonders deutlich wird dieser Wandel bei der jüngeren Generation: Fast die Hälfte aller Schüler in der Stadt hat mittlerweile einen Migrationshintergrund. 

Grafik: Stadt Mönchengladbach / Verwendung wurde genehmigt

Die religiöse Landschaft ist breit gefächert und wird durch den Religionsatlas Mönchengladbach der Stadt sichtbar gemacht: 

  • Christentum: Historisch tief verwurzelt durch das Bistum Aachen (katholisch) und die evangelische Kirche. Wahrzeichen wie das Münster St. Vitus prägen die Silhouette.
  • Islam: Durch zahlreiche Moscheegemeinden verschiedener Ausrichtungen (türkisch, arabisch, bosnisch) im gesamten Stadtgebiet vertreten.
  • Weitere Gemeinschaften: Es gibt aktive Gemeinden des Judentums, des Alevitentums sowie kleinere buddhistische und hinduistische Gruppen.
  • Dialog: Der Interreligiöse Dialog wird aktiv gefördert, um Vorurteile abzubauen und das Miteinander zu stärken. 

Die Stadt feiert ihre Diversität regelmäßig durch Veranstaltungen wie die Interkulturelle Woche, die mit Straßenfesten und Workshops Brücken schlägt. Ein wichtiger Akteur ist der Verband für Kulturen & Integration (VKI-MG), der als Dachverband für zahlreiche Migrantenorganisationen fungiert und den kulturellen Austausch koordiniert.

  • Gründung (974): Die Stadtgeschichte begann mit der Gründung der Benediktinerabtei St. Vitus ( info ) durch Erzbischof Gero auf dem Abteiberg. Der Legende nach wurde dort ein Relikt des Heiligen Vitus unter einem hohlen Stein gefunden.
  • Namensgebung: Der Name leitet sich vom „Gladbach“ ab (einem heute meist unterirdisch verlaufenden Bach) und der Verbindung zum Kloster („Mönchs-Gladbach“).
  • Stadtrechte: Im Jahr 1336 erhielt die Siedlung um das Kloster das Stadtrecht. 
Münster St. Vitus
  • Industrialisierung: Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Stadt zu einem bedeutenden Zentrum der Textilindustrie. Aufgrund der Vielzahl an Fabriken und Schornsteinen wurde sie auch als „Rheinisches Manchester“ bekannt.
  • Wandel: Mechanische Webstühle lösten die traditionelle Hausweberei ab und prägten das Stadtbild sowie die Wirtschaft bis weit ins 20. Jahrhundert. 
  • Namensänderungen: Früher hieß die Stadt offiziell „München-Gladbach“. Um Verwechslungen mit München zu vermeiden, wurde der Name 1950 in „Mönchen Gladbach“ und schließlich 1960 in die heutige Schreibweise geändert.
  • Kommunale Neugliederung (1975): Ein entscheidender Wendepunkt war der 1. Januar 1975, als die bis dahin eigenständigen Städte Mönchengladbach und Rheydt sowie die Gemeinde Wickrath zur heutigen Großstadt vereinigt wurden.
  • Strukturwandel: Nach dem Niedergang der klassischen Textilindustrie wandelte sich die Stadt zu einem Standort für Logistik, Maschinenbau und textile Forschung (z. B. durch die Hochschule Niederrhein).

Mönchengladbach ist weltweit durch den Fußballverein Borussia Mönchengladbach (gegründet 1900) bekannt. Besonders die „Fohlenelf“ der 1970er Jahre prägte die Identität der Stadt nachhaltig.


  • Wasserturm an der Viersener Straße: Der 1909 fertiggestellte Jugendstil-Turm ist das wohl markanteste Wahrzeichen der Stadt. Er ist 51 Meter hoch und bietet nach 234 Stufen einen Panoramablick über die Stadt.
  • Münster St. Vitusnster St. Vitus: Die Basilika auf dem Abteiberg markiert den Gründungsort der Stadt. Sie ist eine über 1000 Jahre alte katholische Kirche und gilt als das historische Herzstück Mönchengladbachs.
  • Schloss Rheydt: Ein bedeutendes Renaissanceschloss mit einer gut erhaltenen Wallanlage, das heute als Museum dient.
  • Schloss Wickrath: Ein barockes Wasserschloss mit einer weitläufigen Parkanlage in Kronenform, bekannt für seine Tradition in der Pferdezucht.
  • Museum Abteiberg: Ein international renommiertes Museum für zeitgenössische Kunst, das durch seine außergewöhnliche Architektur von Hans Hollein selbst als modernes Wahrzeichen gilt.
  • Borussia-Park: Das moderne Stadion des Fußball-Bundesligisten Borussia Mönchengladbach ist ein zeitgenössisches Wahrzeichen und Anziehungspunkt für Sportbegeisterte. 

Weitere oft genannte Sehenswürdigkeiten sind die Kaiser-Friedrich-Halle


In der NS-Zeit war Mönchengladbach (damals „M. Gladbach“) ein Schauplatz tiefgreifender politischer Umwälzungen, schwerer Kriegszerstörungen und mutigen Widerstands. 

Zentrale Ereignisse & Fakten:

  • Erstes Ziel des Luftkriegs: Mönchengladbach gilt als die erste deutsche Stadt, die im Zweiten Weltkrieg gezielt bombardiert wurde (12. Mai 1940). In der verheerenden Bombennacht vom 31. August 1943 wurden ca. 90 % der Industrieanlagen zerstört und zwei Drittel der Wohnhäuser beschädigt.
  • Verfolgung & Deportation: Die jüdische Gemeinde wurde systematisch vernichtet. Dokumente im Stadtarchiv Mönchengladbach belegen die Judendeportationen. Heute erinnern zahlreiche Stolpersteine an Einzelschicksale, etwa an verfolgte jüdische Sportler.
  • Widerstand: Ein prominentes Beispiel für den Widerstand ist Theo Hespers, ein christlicher Pfadfinderführer und Widerstandskämpfer, der 1943 hingerichtet wurde. Auch innerhalb der evangelischen Gemeinde gab es einen dokumentierten Kirchenkampf gegen das NS-System.
  • Zwangsarbeit: Während des Krieges wurden zahlreiche Zwangsarbeiter in der lokalen (Textil-)Industrie eingesetzt; heutige Schulprojekte widmen sich der Aufarbeitung dieser Schicksale. 

Politische Struktur:

Die Stadt war eng mit der Person Joseph Goebbels verknüpft, der im benachbarten (und zeitweise mit Gladbach vereinigten) Rheydt geboren wurde. Die Hindenburgstraße diente während dieser Ära als zentraler Ort für NS-Inszenierungen.