Mönchengladbach ist seit der Kommunalreform von 2009 in vier Stadtbezirke unterteilt. Diese gliedern sich wiederum in insgesamt 44 Stadtteile.

Stadtbezirk Ost
Der Bezirk Ost erstreckt sich über die Gebiete nordöstlich des Zentrums bis hin zum Flughafen.
Der Stadtbezirk Ost in Mönchengladbach ist geprägt durch eine Mischung aus historischer Klostertradition, industrieller Vergangenheit und ländlichem Charme. Er besteht aus den vier Stadtteilen Neuwerk, Gladbach-Land (oft synonym mit dem Bereich Volksgarten/Lürrip), Giesenkirchen und Schelsen.
Historische Entwicklung & Besonderheiten der Stadtteile
Industriegeschichte: In den angrenzenden Bereichen wie Lürrip finden sich Spuren der einst dominanten Textilindustrie, die das gesamte Stadtgebiet im 19. und 20. Jahrhundert prägte.
Neuwerk:
Ursprung: Der Stadtteil geht auf das im 12. Jahrhundert gegründete Benediktinerinnenkloster zurück.
Besonderheit: Die romanische Klosterkirche ist das Herzstück des Viertels. Neuwerk war bis zur Eingemeindung nach Gladbach im Jahr 1921 eine eigenständige Gemeinde.
Giesenkirchen:
Historie: Giesenkirchen hat eine lange Tradition als eigenständiger Ort und war früher eng mit dem benachbarten Schelsen verbunden.
Charakter: Es zeichnet sich durch ein starkes bürgerliches Zentrum und zahlreiche denkmalgeschützte Wegekreuze aus, die die religiöse Verwurzelung der Region zeigen.
Schelsen:
Historie: Bis 1929 gehörte Schelsen zur Gemeinde Giesenkirchen und war von 1934 bis 1974 Teil der Stadt Rheydt, bevor es 1975 im Zuge der Gebietsreform zu Mönchengladbach kam.
Gemeinschaft: Bekannt für eine außergewöhnlich intakte Dorfgemeinschaft, die unter anderem durch Eigeninitiative den Ausbau lokaler Infrastruktur (wie Kindergärten) ermöglichte.
Volksgarten / Lürrip:
Freizeit & Natur: Der Volksgarten ist eine der bedeutendsten Parkanlagen der Stadt und dient seit Generationen als Naherholungsgebiet.
Wichtige historische Orte im Bezirk und der Umgebung
| Ort | Bedeutung |
|---|---|
| Kloster Neuwerk | Ehemaliges Nonnenkloster, Gründungszelle des Stadtteils. |
| Schloss Rheydt | Nahegelegenes Renaissance-Wasserschloss mit Museum zur Stadtgeschichte. |
| Volksgarten | Historische Parkanlage mit Weiher und Veranstaltungsflächen. |
| St. Josef Schelsen | Zentrum der dörflichen Gemeinschaft in Schelsen. |

Pfau in der Parkanlage von Schloss Rheydt
Baudenkmäler
Der Stadtbezirk Ost beherbergt einige der bedeutendsten historischen Bauwerke Mönchengladbachs. Besonders hervorzuheben sind die sakralen Bauten in Neuwerk und die industriellen sowie zivilen Denkmäler in Lürrip und Giesenkirchen.
Highlights der Baudenkmäler nach Stadtteilen
Neuwerk: Das spirituelle Zentrum
- Klosterkirche Neuwerk: Sie ist nach dem Münster das älteste Bauwerk der Stadt (urkundlich 1135 erwähnt). Das spätromanische Bauwerk ist das Herzstück des ehemaligen Benediktinerinnenklosters.
- Siedlung Engelbleck: Diese denkmalgeschützte Siedlung ist ein wichtiges Zeugnis für den genossenschaftlichen Wohnungsbau und die Stadtplanung des frühen 20. Jahrhunderts.
- Historische Hofanlagen: Entlang der Dünner Straße und Liebfrauenstraße finden sich zahlreiche unter Schutz stehende ehemalige Bauernhöfe und Wohnhäuser, die den ländlichen Ursprung Neuwerks dokumentieren.

Lürrip: Industrie und Zivilschutz
- Hochbunker Neusser Straße 274: Ein markantes Denkmal der jüngeren Geschichte. Der Turmbunker wurde im Zweiten Weltkrieg zum Schutz der Bevölkerung errichtet und kurz nach dem Krieg von britischen Soldaten durch gesprengte Fensteröffnungen in Wohnraum umgewandelt.
- Krefelder Straße 115: Ein denkmalgeschütztes Gebäude, das beispielhaft für die Bebauung an den Hauptverkehrsachsen steht.
Giesenkirchen & Schelsen: Tradition und Textil
- Textilfabrik Otto Klöters: An der Konstantinstraße gelegen, ist diese Anlage ein bedeutendes Denkmal der Industriegeschichte. Die 1897 gegründete Wollspinnerei ist in ihrer funktionalen Struktur noch heute gut ablesbar.
- Fachwerkhäuser: In Giesenkirchen und Schelsen (z.B. Gereonstraße) finden sich einige der ältesten erhaltenen Fachwerkhäuser der Region, die den dörflichen Charakter dieser Ortsteile über Jahrhunderte bewahrt haben.
- Wegekreuze: Der Stadtteil ist bekannt für seine zahlreichen historischen Votiv- und Wegekreuze, wie etwa an der Trimpelshütter Straße, die oft unter Denkmalschutz stehen.
Anekdoten aus dem Stadtbezirk Ost
Der Stadtbezirk Ost hat über die Jahrhunderte hinweg viele kuriose und bewegende Geschichten hervorgebracht. Hier sind einige besondere Anekdoten, die den Charakter der Stadtteile widerspiegeln:
1. Der bewohnte Bunker in Lürrip
Eine der bekanntesten Nachkriegsgeschichten dreht sich um den Hochbunker an der Neusser Straße.

- Die Notlösung: Nach 1945 herrschte in Mönchengladbach extreme Wohnungsnot. Um schnell Abhilfe zu schaffen, sprengten britische Pioniere kurzerhand Fensteröffnungen in die massiven Betonwände des Lürriper Bunkers.
- Ziviles Leben im Beton: So entstand eine kuriose Wohnanlage, in der Familien über Jahrzehnte in einer Festung lebten. Was als Provisorium gedacht war, prägte das Stadtteilbild so nachhaltig, dass der Bunker heute unter Denkmalschutz steht – als Zeugnis dafür, wie aus einem Kriegsbau ein Ort der Zuflucht und des Alltags wurde.
2. Die „verschwundene“ Grenze von Schelsen
Schelsen galt lange als ein „Wanderer zwischen den Welten“.
- Die wechselnde Identität: Der Ortsteil gehörte historisch zu Giesenkirchen, wurde dann Teil der Stadt Rheydt und landete schließlich 1975 bei Mönchengladbach.
- Anekdote der Eigenständigkeit: Die Schelsener sind für ihren Zusammenhalt bekannt. Eine lokale Besonderheit ist, dass die Bürger oft selbst die Initiative ergriffen, wenn die Stadtverwaltung zu langsam war – etwa beim Ausbau des Kindergartens. Man sagt im Ort noch heute scherzhaft, dass Schelsen zwar geografisch am Rand liegt, sich aber wie das „Herz des Ostens“ fühlt.
3. Das „Wunder“ der Klosterfrauen in Neuwerk
Um das Kloster Neuwerk ranken sich Legenden aus der Zeit seiner Gründung im 12. Jahrhundert.

Kloster Neuwerk
Foto:Chris06
- Kulturelle Standhaftigkeit: Während viele Klöster in der Region während der Säkularisation unter Napoleon sang- und klanglos verschwanden, blieb die romanische Kirche in Neuwerk fast wie durch ein Wunder unversehrt.
- Der Klosterschatz: Es gibt Erzählungen über verborgene Gänge und Schätze, die die Nonnen vor den einfallenden Truppen gerettet haben sollen. Auch wenn vieles davon ins Reich der Sagen gehört, ist die Tatsache, dass die Kirche heute das zweitälteste Bauwerk der Stadt ist, für die Neuwerker ein kleiner „historischer Triumph“.
4. Giesenkirchener Kirmes-Tradition
Giesenkirchen ist bekannt für seine tiefe Verwurzelung im Brauchtum.
- Der Heimatstolz: In Anekdotensammlungen wie „Giesenkirchen – Geschichte und Geschichten“ wird oft betont, wie wichtig die sozialen Hierarchien und das Schützenwesen waren.
- Kuriose Details: In alten Berichten wird geschildert, wie man früher nach dem Kirchgang bei „Mutter Jansen“ einkehrte und dort die Lokalpolitik entschied – oft hitziger als im offiziellen Rathaus.
