Schloss Wickrath in Mönchengladbach ist eine bedeutende barocke Wasserschlossanlage an der Niers, die besonders durch ihre enge Verbindung zur Pferdezucht und ihre einzigartige Parkgestaltung bekannt ist.
Die Anlage ist heute eines der bedeutendsten Baudenkmäler am linken Niederrhein
Historische Entwicklung
- Mittelalterliche Ursprünge: Eine Burg in Wickrath wurde erstmals 1068 erwähnt. Über die Jahrhunderte wechselten die Besitzer von den Herren von Wickrath zu den Herren von Broichhausen und Hompesch, bis die Anlage 1502 an die Herren von Quadt fiel.
- Barocker Neubau (1746–1772): Das heutige Ensemble wurde im Auftrag von Reichsgraf Wilhelm Otto Friedrich von Quadt errichtet. Zwischen 1746 und 1772 ließ er die mittelalterliche Burg Wickrath abreißen und durch eine repräsentative barocke Wasserschlossanlage nach französischem Vorbild ersetzen. . Es entstand eine achsensymmetrische Anlage nach französischem Vorbild. Als Architekt wird oft Johann Joseph Couven genannt.
- Französische Besatzung & Napoleon: 1794 besetzten französische Truppen die Region. Napoleon Bonaparte erkannte die Eignung der Anlage für die Pferdezucht und richtete dort 1806 ein Hengstdepot ein.
- Preußische Zeit: Nach 1815 wurde Wickrath preußisch und das Schloss diente als Landgestüt, bis dieses später nach Warendorf verlegt wurde.
- NS-Zeit (1933–1945): Das Schloss Wickrath, das im 19. Jahrhundert größtenteils abgerissen und durch die heute sichtbaren Gebäude der Vorburg ersetzt wurde, stand während der NS-Zeit (1933–1945) ganz im Zeichen der Pferdezucht und der Militarisierung.
Schloss Wickrath

Die wesentlichen Entwicklungen am Schlossstandort während dieser Jahre waren:
- Zentrum des Landgestüts: Das Schlossgelände beherbergte das Rheinische Landgestüt. Die Nationalsozialisten maßen der Pferdezucht eine enorme strategische Bedeutung bei, da die Wehrmacht trotz Motorisierung weiterhin massiv auf Pferde für den Transport und die Artillerie angewiesen war.
- Hengstparaden als Propaganda: Die bereits seit dem 19. Jahrhundert berühmten Wickrather Hengstparaden wurden von den Nationalsozialisten als prestigeträchtige Großveranstaltungen genutzt. Sie dienten der Selbstdarstellung des Regimes und zogen Publikum aus dem gesamten Rheinland an.
- Reichsnährstand und Landesbauernschaft: Die Verwaltung und Organisation der Pferdezucht wurde im Zuge der „Gleichschaltung“ dem Reichsnährstand unterstellt. Das Schlossgelände war damit ein wichtiger Verwaltungsknotenpunkt für die landwirtschaftliche Neuordnung in der Region.
- Militärische Bedeutung: Aufgrund der Tradition als preußisches Landgestüt war die Anlage eng mit militärischen Strukturen verknüpft. Während des Krieges wurden die Kapazitäten zur Ausbildung von Pferden für den Fronteinsatz maximiert.
- Kriegsschäden: Im Gegensatz zu vielen Gebäuden im Stadtzentrum von Mönchengladbach blieb die Schlossanlage von den schweren Luftangriffen (wie dem im August 1943) weitgehend verschont, sodass die historische Bausubstanz der Vorburg erhalten blieb.
Architektur und Park
Die Anlage besteht aus einer Vorburg und einem (im 19. Jahrhundert weitgehend abgetragenen) Hochschloss. Eine Besonderheit ist der 19 Hektar große Schlosspark, dessen Alleen in Form einer Grafenkrone angelegt sind. Seit 1985 steht die gesamte Anlage unter Denkmalschutz.
Heutige Nutzung
Zur Landesgartenschau 2002 wurde die Anlage umfassend saniert. Heute beherbergt sie:
- Das Rheinische Pferdestammbuch, das an seinen Gründungsort zurückgekehrt ist.
- Den Nassauer Stall als Ort für Ausstellungen und Veranstaltungen des Heimatvereins Wickrath.
- Ein Restaurant sowie weitläufige Wege für Erholungssuchende.

Reichsgraf Wilhelm Otto Friedrich von Quadt (1717–1785)
Reichsgraf Wilhelm Otto Friedrich von Quadt (1717–1785) war ein bedeutender deutscher Adliger aus dem niederrheinischen Geschlecht der Quadt, der vor allem als Bauherr von Schloss Wickrath bekannt ist.
Historische Bedeutung und Wirken
Herrschaft: Er regierte die reichsunmittelbare Herrschaft Wickrath (heute ein Stadtteil von Mönchengladbach). Seine Herrschaft endete faktisch mit der Flucht seines Nachfolgers, Otto Wilhelm von Quadt, vor den französischen Revolutionstruppen im Jahr 1794.
Bauherr von Schloss Wickrath: Zwischen 1746 und 1772 ließ er die mittelalterliche Burg Wickrath abreißen und durch eine repräsentative barocke Wasserschlossanlage nach französischem Vorbild ersetzen. Die Anlage ist heute eines der bedeutendsten Baudenkmäler am linken Niederrhein.
Standeserhebung: Die Familie von Quadt wurde unter seiner Führung 1752 in den Reichsgrafenstand erhoben.
