Die Stadtgeschichte von Rheydt, heute ein bedeutender Teil von Mönchengladbach, ist geprägt von einer langen Eigenständigkeit und dem rasanten Aufstieg während der Industrialisierung.
Rheydt gilt als das pulsierende, interkulturelle Herz von Mönchengladbach. Er ist geprägt von einer hohen Dynamik und zahlreichen Projekten, die das Miteinander fördern.
Ein Stadtteil im Wandel
Rheydt zeichnet sich durch eine sehr diverse Bewohnerstruktur aus und wird oft als „quirlig“ und „bunt“ beschrieben.
- Interkulturelle Familienbibliothek: Ein Schlüsselprojekt der „Sozialen Stadt Rheydt„. Auf 1.500 qm bietet sie nicht nur Bücher, sondern fungiert als Begegnungsort für Familien aller Herkunftsländer.
- Quartiersmanagement: Es gibt gezielte Bemühungen, die Lebensqualität zu steigern. Projekte wie „Besser leben in Rheydt“ setzen auf Gesundheitsförderung und soziale Teilhabe direkt im Viertel.
- Kreativquartier: Initiativen versuchen, Rheydt als Ort für Künstler und die Kreativszene zu etablieren, um die Vielfalt auch kulturell und wirtschaftlich zu nutzen.
Kulturvereine & Organisationen
Hinter der Vielfalt stehen zahlreiche Akteure, die Integration aktiv gestalten:
- VKI MG (Verband für Kulturen & Integration): Dieser Dachverband ist die zentrale Anlaufstelle für über 30 Migrantenorganisationen in der Stadt und fördert den Austausch zwischen den Kulturen.
- Deutsch-ukrainische Kulturgemeinschaft: Ein Beispiel für neuere Vereine, die sich um den Erhalt ihrer Kultur bemühen und gleichzeitig Integrationshilfe leisten.
- samo.fa: Ein Netzwerk, das speziell die Stärkung von Menschen mit Fluchtgeschichte durch Migrantenorganisationen unterstützt.
Jährliche Highlights
Die kulturelle Vielfalt wird besonders bei großen Veranstaltungen sichtbar, wie dem interkulturellen Straßenfest oder der Interkulturellen Woche, die jedes Jahr im September mit einem bunten Programm aus Musik, Tanz und Kulinarik lockt.
Frühe Anfänge und Herrschaft Rheydt
- Ersterwähnung: Rheydt wurde erstmals im Jahr 1180 urkundlich erwähnt.
- Struktur: Bis in die Neuzeit bestand Rheydt aus mehreren sogenannten Honschaften (kleinen Verwaltungseinheiten), wobei das Dorf Rheydt nur durch einen einfachen Schutzwall gesichert war.
- Wahrzeichen: Das Schloss Rheydt wurde in seiner heutigen Form als Renaissance-Wasserschloss zwischen 1558 und 1591 durch Otto von Bylandt errichtet.

Aufstieg zur Industriestadt
- Stadtrechte: Im Jahr 1856 erhielt Rheydt offiziell das Stadtrecht.
- Wirtschaft: Die Region entwickelte sich im 19. Jahrhundert zum „Rheinischen Manchester“. Rheydt wurde ein Zentrum der Textilindustrie (Baumwolle, Seide, Samt) sowie des Maschinenbaus.
- Bevölkerungswachstum: Mit der Industrialisierung stieg die Einwohnerzahl rapide an, von etwa 10.200 im Jahr 1861 auf über 19.000 im Jahr 1880

20. Jahrhundert und Fusionen
- Erste Fusion (1929–1933): 1929 wurden Rheydt, München-Gladbach und Odenkirchen erstmals zur Stadt „Gladbach-Rheydt“ vereinigt. Diese Verbindung wurde 1933 durch die Nationalsozialisten wieder gelöst.
- NS-Zeit: Da Rheydt die Geburtsstadt von Joseph Goebbels war, erhielt die Stadt während des Nationalsozialismus besondere Aufmerksamkeit. Goebbels war Ehrenbürger, und das Schloss wurde zum Gästehaus für ihn umgebaut.
- Zweiter Weltkrieg: Am 31. August 1943 erlebte Rheydt einen verheerenden Luftangriff, bei dem große Teile der Innenstadt zerstört wurden.
- Endgültige Fusion (1975): Im Zuge der Gebietsreform am 1. Januar 1975 wurde die bis dahin kreisfreie Stadt Rheydt endgültig mit Mönchengladbach und Wickrath zur neuen Stadt Mönchengladbach zusammengeschlossen.
Heute bewahrt Rheydt durch sein eigenes Zentrum, das historische Rathaus und kulturelle Institutionen im Schloss Rheydt eine starke eigene Identität innerhalb von Mönchengladbach.
In Rheydt war die NS-Zeit durch die besondere Rolle als Geburtsstadt von Joseph Goebbels und die damit verbundene ideologische Überhöhung geprägt.
Zentrale Aspekte der NS-Zeit in Rheydt:
- Propaganda-Zentrum: Da Goebbels hier geboren wurde, wurde die Stadt gezielt gefördert. Das Schloss Rheydt wurde in den 1930er Jahren aufwendig restauriert und diente dem Propagandaminister als Gästehaus und Residenz bei seinen Besuchen.
- Kommunale Neugliederung: Nachdem Rheydt 1929 zunächst mit München-Gladbach fusioniert worden war, wurde die Stadt auf Betreiben von Goebbels 1933 wieder selbstständig (und blieb es bis 1975).
- Verfolgung und Widerstand:
- Die jüdische Gemeinde in Rheydt wurde systematisch entrechtet. Die Synagoge wurde während der Reichspogromnacht 1938 zerstört.
- Ab 1941 begannen die Deportationen jüdischer Bürger in Vernichtungslager wie Auschwitz oder Riga.
- Es gab aktiven Widerstand aus dem Umfeld der KPD, SPD und kirchlichen Kreisen.
- Kriegszerstörung: Rheydt war aufgrund seiner Industrie (Textil- und Maschinenbau) Ziel schwerer Luftangriffe. Ein besonders verheerendes „Inferno“ ereignete sich am 31. August 1943, bei dem große Teile der Innenstadt zerstört wurden

