Industrie und Handel im Wandel der Zeit – Masterplan 3.0 fungiert als Marketinginstrument zur Gewinnung von Investoren.
Rheydt, ein Stadtteil von Mönchengladbach, ist ein bedeutender Industriestandort, der von Weltmarktführern im Maschinenbau wie Trützschler, Scheidt & Bachmann und ATB Schorch geprägt ist. Während diese Industriezweige auf eine lange Tradition zurückblicken, steht der Einzelhandel vor einem Strukturwandel, der durch neue Konzepte und Großarbeitgeber im Dienstleistungssektor wie Santander und Zalando adressiert wird.
Die wirtschaftliche Identität von Rheydt (heute ein Stadtteil von Mönchengladbach) ist untrennbar mit dem Aufstieg und Wandel der deutschen Textilindustrie verbunden. Einst als „Rheinisches Manchester“ weltberühmt, durchläuft der Standort heute eine Phase der Neuerfindung zwischen industrieller Tradition und modernem Strukturwandel.
Industrie und Handel
1. Historische Basis: Die Textil-Ära
Die Industrialisierung im 19. Jahrhundert machte Rheydt zu einem Zentrum der europäischen Textilproduktion.
Hausweberei als Ursprung: Vor der Fabrikära dominierten Handweber, die vor allem Leinenstoffe herstellten.
Wachstum zur Großstadt: Mit dem Einsatz von Dampfmaschinen und dem Bau großer Fabrikanlagen entwickelte sich Rheydt von einer Ansammlung kleiner Honschaften zu einer bedeutenden Industriestadt.
Spezialisierung: Neben der reinen Weberei siedelten sich Spinnereien, Bleichereien und Färbereien an.

2. Die Industrie: Diversifizierung und Spezialmaschinenbau
Parallel zur Textilfertigung entstanden Branchen, die Rheydt bis heute prägen.
Antriebstechnik: Firmen wie ATB Schorch stehen stellvertretend für die Kompetenz im Bereich schwerer elektrischer Maschinen.
Textilmaschinenbau: Um den Bedarf der lokalen Fabriken zu decken, wuchs eine starke Maschinenbau-Sparte heran. Unternehmen wie die Trützschler Group sind bis heute weltweit führend in der Textiltechnologie.
Elektrotechnik & Anlagenbau: Bedeutende Arbeitgeber wie Scheidt & Bachmann (Systeme für Tankstellen, Parkhäuser und Signaltechnik) haben ihre Wurzeln und ihren Hauptsitz in der Region.
Strukturwandel
3. Der Handel: Herausforderungen im Strukturwandel
Der Einzelhandel in der Rheydter Innenstadt (rund um den Marktplatz) kämpft mit den typischen Problemen vieler Mittelzentren.
- Verlust an Funktionen: Durch die zunehmende Digitalisierung und Konkurrenz durch Online-Handel stehen viele Ladenlokale vor der Standortaufgabe.
- Revitalisierungsprojekte: Initiativen wie die „Schauzeit Rheydt“ versuchen, Leerstände kreativ zu nutzen und die Innenstadt als Erlebnisraum neu zu definieren.
- Große Logistik-Ansiedlungen: Im weiteren Umkreis von Mönchengladbach/Rheydt haben sich in jüngerer Zeit Riesen wie Zalando angesiedelt, was den Fokus des Handels massiv in Richtung Logistik verschoben hat.
Zukunft
4. Aktuelle wirtschaftliche Lage (Stand 2024/2025)
Die aktuelle Situation ist von einer langsamen Erholung nach globalen Krisen geprägt.
- Industrieumsätze: In energieintensiven Branchen gab es zuletzt wieder positive Tendenzen, wenngleich Fachkräftemangel und hohe Materialkosten die Unternehmen belasten.
- Arbeitsmarkt: Die Arbeitslosenquote in Mönchengladbach liegt bei etwa 8,2 %, wobei der Dienstleistungssektor (Gesundheitswesen, Logistik, Banken wie die Santander Consumer Bank) immer mehr an Bedeutung gewinnt.
Die Rheydter Innenstadt wandelt sich basierend auf dem Masterplan MG 3.0 von einer reinen Einkaufsmeile zu einem multifunktionalen Raum, geprägt durch den Neubau des Rathauses ab 2026 und eine stärkere Fokussierung auf Wohnen und Erleben. Konzepte wie der „Neue Rheydter Weg“ setzen auf studentisches Wohnen, eine grüne Infrastruktur und die kreative Nutzung von Leerständen, um die City trotz rückläufigem Einzelhandel zu beleben. Weitere Informationen zum städtebaulichen Masterplan finden sich unter WFMG.
Masterplan MG 3.0
Der Masterplan MG 3.0 (offiziell „Die dritte Gründung“) ist ein 2013 verabschiedetes städtebauliches Entwicklungskonzept für Mönchengladbach, das maßgeblich von einer privaten Bürgerinitiative und dem Architekten Sir Nicholas Grimshaw entworfen wurde. Er bildet das Fundament für die aktuelle Stadtentwicklungsstrategie.
Strategische Ausrichtung und Ziele
Das Konzept definiert drei zentrale Entwicklungsachsen (Querspangen), um die Stadtteile Gladbach und Rheydt funktional und gestalterisch zu stärken:
- Das Gladbachtal: Fokus auf die Verbindung der Innenstadt mit neuen urbanen Quartieren.
- Die Hochschulachse: Stärkung der Verbindung zwischen Bildung, Forschung und Industrie.
- Die Innenstadt Rheydt: Revitalisierung des zweitgrößten Zentrums als attraktiver Wohn- und Arbeitsstandort.
Übergreifende Großprojekte in Mönchengladbach
- Seestadt mg+ (City Ost): Auf dem Areal des ehemaligen Güterbahnhofs entsteht ein neues Quartier mit bis zu 2.000 Wohneinheiten und einem zentralen See.
- Maria Hilf Terrassen: Umwandlung des ehemaligen Klinikgeländes in ein hochwertiges Wohnquartier.
- 19 Häuser: Neubauprojekt am Europaplatz (ehemals Haus Westland) zur Aufwertung des Bahnhofsumfelds Gladbach.
Wirtschaftlicher Effekt
Der Masterplan fungiert als Marketinginstrument zur Gewinnung von Investoren. Während die Beschäftigungszahlen im Dienstleistungssektor (Logistik, IT, Verwaltung) gestiegen sind, bleibt die Stabilisierung des klassischen produzierenden Gewerbes eine Herausforderung des Strukturwandels.
