„Relikte im Stadtbild sind keine stummen Steine, sondern lautstarke Mahner für den Frieden in unserer Heimat.“
Mönchengladbach, eine Stadt mit einer tiefen industriellen und historischen Prägung, trägt bis heute sichtbare und verborgene Spuren der beiden Weltkriege. Während der Erste Weltkrieg vor allem durch Denkmäler und die wirtschaftliche Umstellung präsent ist, hinterließ der Zweite Weltkrieg massive bauliche Relikte, die das Stadtbild von Rheydt und Mönchengladbach nachhaltig prägten.
Relikte des Ersten Weltkriegs
Im Ersten Weltkrieg blieb die Stadt von direkten Zerstörungen weitgehend verschont, doch die gesellschaftlichen und politischen Folgen sind in Form von Kriegerdenkmälern und Gedenkstätten im gesamten Stadtgebiet präsent. Diese dienen heute oft als Mahnmale gegen den Krieg. Ein bedeutendes Zentrum für die Aufarbeitung dieser Epoche ist das Stadtarchiv Mönchengladbach, das zahlreiche Dokumente zur damaligen Kriegswirtschaft und den Schicksalen der Soldaten bewahrt.
Der Zweite Weltkrieg und die Luftschutzbauten
Der Zweite Weltkrieg traf Mönchengladbach und das damals eigenständige Rheydt mit voller Härte. 43 Prozent der Wohnhäuser wurden zerstört oder schwer beschädigt.
Hochbunker Lürrip: Eines der markantesten Relikte ist der Luftschutzbunker in Lürrip an der Neusser Straße 374. Er wurde zwischen 1941 und 1943 errichtet. Nach dem Krieg sprengten britische Soldaten Fenster in den Betonkoloss, um ihn als Wohnraum für die notleidende Bevölkerung nutzbar zu machen.

Tiefbunker Rheydt: Unter dem Marktplatz in Rheydt befindet sich eine Bunkeranlage, die ursprünglich für 4.500 Menschen konzipiert war und im Kalten Krieg modernisiert wurde.
Bunker im Brunnenhof: Bei archäologischen Grabungen am Gladbacher Münster wurden erst vor wenigen Jahren Überreste eines Bunkers direkt neben den mittelalterlichen Klosterfundamenten freigelegt.
Relikte der Weltkriege
Historische Gebäude und die Rolle von Schloss Rheydt
In der Zeit des Nationalsozialismus nahm Rheydt eine besondere Stellung ein, da es der Geburtsort von Joseph Goebbels war. Dies beeinflusste auch die Nutzung historischer Gebäude:
- Schloss Rheydt: Das Renaissance-Schloss wurde während des Krieges aufwendig zum Gästehaus für Joseph Goebbels umgebaut. Heute fungiert es als Museum und erinnert an die wechselvolle Stadtgeschichte.
- Die Kommandantur Rheydt: Historische Verwaltungsgebäude in Rheydt dienten während der Besatzungszeit und der NS-Diktatur als militärische und politische Schaltzentralen. Viele dieser Gebäude wurden nach 1945 im Zuge des Wiederaufbaus durch Architekten wie Alfons Leitl in eine moderne Stadtplanung integriert, wobei einige heute unter Denkmalschutz stehen.
- Münster-Basilika St. Vitus: Als eines der wichtigsten Wahrzeichen der Stadt erlitt die Basilika schwere Kriegsschäden, deren Spuren bei Restaurierungen bewusst als Zeugnisse der Zerstörung und des Wiederaufbaus erhalten wurden.
Kriegsende und Wiederaufbau
In Mönchengladbach und Rheydt markierte das Frühjahr 1945 das Ende einer verheerenden Ära, gefolgt von einem jahrzehntelangen Wiederaufbau, der das heutige Stadtbild maßgeblich prägte.
Das Kriegsende: Befreiung unter Trümmern
Der Zweite Weltkrieg endete für die damals noch eigenständigen Städte Mönchengladbach und Rheydt am 1. März 1945, als Truppen der 102. US-Infanteriedivision (Teil der 9. US-Armee) im Rahmen der „Operation Grenade“ einmarschierten. Zu diesem Zeitpunkt glichen beide Zentren einer Trümmerwüste:
Zerstörungsgrad: In Mönchengladbach waren etwa 43 % der Wohnhäuser zerstört oder schwer beschädigt.
Luftkrieg: Die schwersten Angriffe erfolgten ab August 1943. Allein in Mönchengladbach starben über 2.000 Menschen durch Bomben, rund 19.000 Häuser wurden vernichtet.
Besatzung: Nach dem Einmarsch der Amerikaner wurde die Region Teil der britischen Besatzungszone.
Der Wiederaufbau: Visionen aus der Not
In den Nachkriegsjahren stand die Beseitigung der über eine Million Kubikmeter Schutt im Vordergrund. Der Wiederaufbau wurde nicht nur als Reparatur, sondern als städtebauliche Neugestaltung verstanden:
Normalisierung: Erst mit der kommunalen Neugliederung am 1. Januar 1975 verschmolzen Mönchengladbach, Rheydt und Wickrath endgültig zu einer gemeinsamen Großstadt.
Planung für Rheydt: Der Architekt Alfons Leitl legte 1948 einen prägenden Flächenaufteilungsplan vor. Viele Gebäude aus dieser Zeit, wie das ehemalige Kaufhaus Kalderoni, stehen heute aufgrund ihrer zeittypischen Architektur unter Denkmalschutz.
Städtebauliche Leitlinien: Man versuchte, aus der herrschenden Armut zu „einfacher, ehrlicher Form“ zu gelangen, was den sachlichen Stil der 1950er Jahre definierte.
Ein Zitat von Albert Einstein: „Ich weiß nicht, mit welchen Waffen der Dritte Weltkrieg ausgefochten wird, aber der Vierte wird mit Stöcken und Steinen ausgefochten“.
