Rathaus Wickrath, gelegen an der Klosterstraße 8, ist ein bedeutendes historisches Bauwerk im heutigen Mönchengladbacher Stadtteil Wickrath. Es diente über viele Jahrzehnte als administratives Herz der bis 1974 eigenständigen Gemeinde.
Bau und Architektur
Charakteristika: Typisch für Verwaltungsbauten dieser Epoche sind die massiven Fassaden und die zentrale Lage im Ortskern, die die Bedeutung der lokalen Selbstverwaltung unterstrichen.
Standort: Das Gebäude befindet sich in zentraler Lage an der Klosterstraße 8.
Stil: Es handelt sich um ein repräsentatives historisches Bauwerk, das den bürgerlichen Stolz der damaligen Zeit widerspiegelt.
Baudenkmal
Geschichte und Entwicklung
Heutige Nutzung: Neben der städtischen Nutzung finden sich in dem historischen Komplex oder in unmittelbarer Nähe heute auch gastronomische Angebote.
Verwaltungssitz: Das Gebäude war über Jahrzehnte der Sitz der Gemeindeverwaltung von Wickrath.
Ende der Selbstständigkeit: Mit der kommunalen Neugliederung am 31. Dezember 1974 verlor Wickrath seine Eigenständigkeit. Die Gemeinde wurde mit Mönchengladbach und Rheydt zur neuen Stadt Mönchengladbach zusammengeschlossen.
Funktionswandel: Nach der Fusion verlor das Gebäude seine Funktion als Rathaus einer eigenständigen Gemeinde. Heute beherbergt es unter anderem eine Meldestelle der Stadtverwaltung Mönchengladbach, in der Bürger Dienstleistungen wie das Meldewesen in Anspruch nehmen können.
Kontext zum Wickrather Zentrum
Das Rathaus steht in engem geschichtlichem Kontext zum nahegelegenen Schloss Wickrath (erbaut 1746–1772) und dem Marktplatz, die zusammen das historische Zentrum bilden. Während das Schloss einst Sitz der Reichsherrschaft Quadt war, repräsentierte das Rathaus in der Moderne die bürgerliche Verwaltung der Gemeinde.

Wickrath
Verwaltung vor 1974
Die Gemeindeverwaltung von Wickrath war bis zur kommunalen Neugliederung am 1. Januar 1975 eine eigenständige Einheit, bevor sie mit Mönchengladbach und Rheydt fusionierte.
Wickrath bildete vor der Fusion eine eigenständige Gemeinde im damaligen Kreis Grevenbroich.
- Status: Die Gemeinde war selbstverwaltet und umfasste neben dem Kernort Wickrath auch Ortschaften wie Wickrathberg, Wickrathhahn und Herrath.
- Struktur: Die Verwaltung wurde durch einen Bürgermeister und – in der Nachkriegszeit – durch einen Gemeindedirektor geleitet.
- Sitz: Wichtige administrative Funktionen und das gesellschaftliche Leben konzentrierten sich oft rund um das Wickrather Schloss, das als Wahrzeichen der Gemeinde galt.
Die NS-Zeit in Wickrath
Während der Zeit des Nationalsozialismus (1933–1945) war die Verwaltung, wie im gesamten Deutschen Reich, „gleichgeschaltet“.
- Politische Führung: Die lokalen Bürgermeister und Beamten waren in das NS-System eingebunden oder wurden durch linientreue Personen ersetzt.
- Verfolgung: In Wickrath gab es eine aktive jüdische Gemeinde, die durch die NS-Diktatur zerstört wurde. Heute erinnern Initiativen an das jüdische Leben in Wickrath und die Verfolgung während dieser Zeit.
- Kriegseinwirkungen: Am 26. Februar 1945 wurde Wickrath schwer von Bomben getroffen; dabei wurde unter anderem die katholische Kirche zerstört und 16 Menschen starben. Die amerikanische Besetzung beendete die NS-Herrschaft in der Region am 1. März 1945.
Übergang zur Stadt Mönchengladbach
Der Verlust der Selbstständigkeit wurde 1974 durch den Gebietsänderungsvertrag besiegelt. Seit 1975 ist Wickrath ein Stadtteil von Mönchengladbach und bildet heute zusammen mit Rheindahlen den Stadtbezirk West.
In der Wickrather Verwaltungsgeschichte vor 1975 stechen besonders jene Persönlichkeiten hervor, die die Gemeinde durch die NS-Diktatur und den anschließenden Wiederaufbau führten.
Prägende Köpfe der Verwaltung
- Carl Dißmann (1882–1950): Er war eine der zentralen Figuren der Wickrather Lokalpolitik im frühen 20. Jahrhundert. Dißmann amtierte von 1920 bis 1945 als Bürgermeister von Wickrath. Er blieb also auch während der gesamten NS-Zeit im Amt, was die für diese Ära typische personelle Kontinuität oder Anpassung der lokalen Verwaltung widerspiegelt. Nach ihm ist heute die Carl-Dißmann-Straße in Wickrath benannt.
- Paul Sange: Er prägte die Nachkriegszeit entscheidend. Sange war über lange Jahre Gemeindedirektor und damit Chef der Verwaltung in der Phase des Wiederaufbaus und der wirtschaftlichen Konsolidierung bis in die 1960er Jahre.
- Konrad Abels: Er war der letzte Bürgermeister der eigenständigen Gemeinde Wickrath vor der Zusammenlegung mit Mönchengladbach am 1. Januar 1975. Er begleitete politisch den Übergang von der Selbstständigkeit in den neuen Status als Stadtbezirk.
Verwaltung im Nationalsozialismus
Die Verwaltung unter Carl Dißmann musste sich ab 1933 den Vorgaben der NSDAP beugen. Während die bürokratischen Abläufe oft weiterliefen, wurde die politische Ausrichtung „gleichgeschaltet“.
- Symbolfiguren: In der Region war der Einfluss von NS-Größen wie Joseph Goebbels (gebürtig aus Rheydt) spürbar, der von 1933 bis 1945 Ehrenbürger der Nachbarstadt Rheydt war.
- Verwaltungshandeln: Zu den Aufgaben der Gemeindeverwaltung gehörte in dieser Zeit auch die Umsetzung rassistischer Gesetze, was zur Entrechtung und Deportation der jüdischen Bürger aus Wickrath führte.
Nach 1945: Der Neuanfang
Nach dem Einmarsch der US-Truppen am 1. März 1945 wurde die Verwaltung entnazifiziert. Die neu eingesetzten Beamten und Politiker konzentrierten sich auf:
Die Bewältigung der Flüchtlingsströme und der Wohnungsnot in den späten 1940er Jahren.
Den Wiederaufbau der durch Bomben zerstörten Infrastruktur (wie der katholischen Kirche St. Antonius).
