Jakob Isenrath (* 18. März 1879 in Erkrath; † 13. Januar 1951 in Neuß) war ein deutscher Polizeipräsident und Politiker (Zentrum).
Polizeipräsident Isenrath gilt heute als Beispiel für einen Beamten der Weimarer Republik, der sich dem Nationalsozialismus bereits vor 1933 mutig entgegenstellte und dafür während der Diktatur persönlich und finanziell sanktioniert wurde.
Er wollte Hitler in eine Irrenanstalt einweisen lassen
Isenrath besuchte die Volksschule und machte eine Böttcherlehre. Am 1. Oktober 1906 wurde er Sekretär der katholischen Arbeitervereine bzw. der Volksvereins für das katholische Deutschland in Osnabrück, Herne und zuletzt in Hamm. Am 23. Oktober 1922 wurde er Regierungsrat und mit der Verwaltung des Polizeiamtes Buer beauftragt.
Jakob Isenrath war von Beruf gelernter Böttcher, machte aber vor allem als Arbeitersekretär, Politiker und Polizeipräsident Karriere.
Hier ist sein beruflicher Werdegang im Detail:
- Handwerkliche Ausbildung: Nach der Volksschule absolvierte er eine Lehre zum Böttcher.
- Arbeitersekretär: Ab 1902 engagierte er sich im katholischen Arbeiter- und Vereinswesen. Er wurde 1906 Sekretär der katholischen Arbeitervereine (Volksverein für das katholische Deutschland) in Herne.
- Politische Laufbahn: Er war Mitglied der Zentrumspartei und von 1912 bis 1919 Stadtverordneter in Herne.
- Polizeipräsident: Sein bedeutendstes Amt trat er am 26. Juli 1927 als Polizeipräsident von Gladbach-Rheydt an. In dieser Funktion blieb er bis zu seiner Absetzung durch die Nationalsozialisten im Jahr 1933.
- Nach 1945: Er kehrte nicht mehr in den aktiven Dienst zurück, sondern lebte als rehabilitierter Pensionär im Ruhestand.
Während der Ruhrbesetzung geriet er in Konflikte mit der französischen Besetzungsmacht. Am 7. März 1923 wurde er auf einer Dienstreise in Recklinghausen von den Franzosen verhaftet und am 29. März 1923 wegen „Ungehorsams gegen die Besetzungsmacht“ zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. Er wurde bis zum 7. März 1924 in Haft gehalten. Nach der Entlassung wurde er am 1. Juni 1924 vorläufig mit den Polizeigeschäften in der Stadt Hagen beauftragt und am 20. Dezember 1924 zum Leiter des Polizeiamtes Witten ernannt. Mit Erlass vom 11. März 1927 wurde er mit der Wahrnehmung der Überleitungsgeschäfte zur Errichtung eines staatlichen Polizeipräsidiums Gladbach-Rheidt beauftragt. Dort wurde er am 1. Juli 1927 kommissarisch und am 1. August 1928 definitiv Polizeipräsident.
Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurde er am 25. März 1933 in den einstweiligen Ruhestand versetzt und gemäß § 4 Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums am 7. Oktober 1933 entlassen.
Isenrath, der katholischer Konfession war, war Mitglied des Zentrums. Er war 1921 bis 1925 Mitglied im Provinziallandtag der Provinz Westfalen. Von Mai 1921 bis Februar 1926 gehörte er dem Preußischen Staatsrat als Stellvertreter an.
Jakob Isenrath und die NS-Zeit
Vorgeschichte mit Hitler: Isenraths Absetzung war auch eine späte Rache des Regimes: Im Jahr 1932 hatte er als amtierender Polizeipräsident Adolf Hitler nach einer Rede in Mönchengladbach mit der Einweisung in eine Irrenanstalt gedroht, sollte dieser sich nicht an die polizeilichen Auflagen halten.
Absetzung und Ruhestand: Kurz nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten im Jahr 1933 wurde Isenrath, der dem politischen Zentrum nahestand, aus seinem Amt als Polizeipräsident entfernt und in den einstweiligen Ruhestand versetzt.
Polizeiliche Überwachung: Nach seiner Entlassung wurde er durch seinen nationalsozialistischen Nachfolger Richard Grunert und dessen Apparat polizeilich überwacht und unter Druck gesetzt.
Wirtschaftliche Notlage: Die Nationalsozialisten kürzten seine Ruhestandsbezüge massiv. Da Isenrath sieben Kinder zu versorgen hatte, führten diese geringen Bezüge zu erheblichen materiellen Problemen für seine große Familie.
Sein Leben in der Nachkriegszeit
Nach 1945 erlebte Jakob Isenrath (1879–1951) eine späte finanzielle und moralische Wiedergutmachung, kehrte jedoch nicht mehr in sein aktives Dienstverhältnis als Polizeipräsident zurück.
Sein Leben in der Nachkriegszeit war durch folgende Punkte geprägt:
- Finanzielle Rehabilitierung: Die massive Kürzung seiner Bezüge aus dem Jahr 1933 wurde rückgängig gemacht. Ab April 1946 wurden seine Ruhestandsbezüge mit Rückwirkung zum 1. Juni 1945 aufgehoben und nach den geltenden Sätzen angepasst, was die wirtschaftliche Not seiner großen Familie beendete.
- Anerkennung seines Widerstandes: In der Nachkriegszeit wurde sein mutiges Auftreten gegen die Nationalsozialisten vor 1933 (wie die Androhung einer Zwangseinweisung für Hitler) zunehmend als Akt des Widerstands und der rechtsstaatlichen Standhaftigkeit gewürdigt.
- Lebensabend in Neuss: Isenrath verbrachte seine letzten Jahre im Rheinland und verstarb am 13. Januar 1951 im Alter von 71 Jahren in Neuss.

