Militär in Mönchengladbach

In Mönchengladbach hat sich die militärische Präsenz in den letzten Jahren stark gewandelt. Während die Stadt jahrzehntelang durch große NATO- und britische Stützpunkte geprägt war, konzentriert sich die heutige Aktivität primär auf spezialisierte Bundeswehr-Dienststellen und logistische Restkapazitäten. 

Die Militärgeschichte Mönchengladbachs ab der Kaiserzeit ist geprägt von der Entwicklung der Stadt zu einem wichtigen Garnisonsstandort, insbesondere während der Weltkriege und der Nachkriegszeit mit der Präsenz alliierter Streitkräfte. 

Das Deutsche Kaiserreich und Erster Weltkrieg

Mit der Reichsgründung 1871 begann die Entwicklung Mönchengladbachs (damals oft als München-Gladbach bezeichnet) zu einem bedeutenderen militärischen Zentrum. Zu Beginn des Ersten Weltkriegs 1914 wurde der Krieg in der Stadt, wie vielerorts im Reich, von Teilen der Bevölkerung mit Begeisterung aufgenommen, was sich als „großes Säbelrasseln“ in der lokalen Presse widerspiegelte. Die Stadt diente als Garnison und logistischer Knotenpunkt. Genaue Truppenstationierungen im Kaiserreich sind spezifisch, aber die Stadt war Teil des Wehrkreises VI (Münster) und beherbergte entsprechende Kommandobehörden und Wehrmeldeämter. 

Weimarer Republik und Nationalsozialismus

Nach dem Ersten Weltkrieg und der anschließenden Rheinlandbesetzung durch alliierte Truppen wurde die militärische Präsenz zunächst reduziert. In der Zeit des Nationalsozialismus und während des Zweiten Weltkriegs spielte die Stadt wieder eine wichtige Rolle. Auf dem Gelände des heutigen Borussia-Parks befand sich der Fliegerhorst Gladbach/Rheydt, der verschiedene Jagdgeschwader beherbergte. Die Stadt wurde ab Sommer 1943 Ziel systematischer alliierter Luftangriffe, bei denen insbesondere Zivilisten betroffen waren. Zum Ende des Krieges, im März 1945, marschierten alliierte Bodentruppen, darunter US-Panzerdivisionen, ein, womit der Krieg in der Region endete. 

Nachkriegszeit und JHQ Rheindahlen

Nach 1945 wurde Mönchengladbach zu einem der wichtigsten Standorte der britischen Streitkräfte in Deutschland. Das 1954 errichtete Joint Headquarters (JHQ) Rheindahlen entwickelte sich zum größten britischen Hauptquartier außerhalb des Vereinigten Königreichs und einem eigenen Stadtteil mit bis zu 12.000 Einwohnern. Es beherbergte auch NATO-Stäbe, wie das Allied Rapid Reaction Corps (ARRC). Die britische Militärpräsenz prägte die Stadt über Jahrzehnte, bis das JHQ 2013 aufgelöst und die britischen Truppen weitgehend abgezogen wurden. 

Aktuelle Situation

Heute gibt es keine aktiven großen militärischen Verbände mehr in der Stadt. Die ehemaligen Kasernen, wie die Niederrhein-Kaserne und das JHQ-Gelände, werden im Rahmen von Konversionsprojekten für zivile Zwecke umgenutzt, beispielsweise für den Nordpark. Militärgeschichte wird in Mönchengladbach heute primär durch lokale Geschichtswerkstätten, das Bundesarchiv-Militärarchiv und die Auseinandersetzung mit den vorhandenen historischen Bauwerken wie Bunkern aufgearbeitet.

Aktuelle Standorte und Einheiten

  • Zentrum Kraftfahrwesen der Bundeswehr (ZKfBw): Dies ist die zentrale militärische Dienststelle in Mönchengladbach. Es ist für alle Angelegenheiten des Kraftfahrwesens der Bundeswehr zuständig, einschließlich der Ausbildung und Überwachung der Fahrlehrer sowie der Koordination der bundesweiten Militärkraftfahrer-Ausbildung.
  • Britische Restpräsenz (Ayrshire Barracks): Obwohl das große Hauptquartier geschlossen wurde, nutzt die britische Armee die Ayrshire Barracks im Nordpark weiterhin als Fahrzeugdepot (Vehicle Storage Depot). 

Historische Bedeutung (ehemalige Standorte)

  • JHQ Rheindahlen: Von 1954 bis 2013 war das JHQ Rheindahlen einer der wichtigsten Militärstandorte in Europa. Es diente als Hauptquartier für britische Streitkräfte und die NATO (z. B. das Allied Rapid Reaction Corps). Das Gelände wird heute teilweise für zivile Zwecke umgenutzt, etwa als Flüchtlingsunterkunft.
  • Niederrhein-Kaserne: Diese ehemalige belgische Kaserne steht seit über 10 Jahren leer und gilt heute als verlassener Ort („Lost Place“), dessen Gebäude teils einsturzgefährdet sind. 

Veranstaltungen

Jedes Jahr findet in der Stadt der Internationale Mönchengladbacher Militärwettkampf (IMM) statt, der als einer der ältesten und bedeutendsten Vielseitigkeitswettbewerbe für Reservisten und aktive Soldaten in Europa gilt. Für den 4. Juli 2026 ist die nächste Austragung am Schloss Rheydt geplant.