Industrie und Handel im Wandel der Zeit

Mönchengladbachs Wirtschaftshistorie ist eine klassische Erzählung vom Aufstieg als „Rheinisches Manchester“ bis hin zum modernen, breit aufgestellten Logistik- und Dienstleistungszentrum.

Der Aufstieg: Das Rheinische Manchester

Im 19. Jahrhundert transformierte die Industrialisierung das Stadtbild. Mönchengladbach wurde zum Zentrum der deutschen Textil- und Bekleidungsindustrie. Große vollstufige Werke wie die Gladbacher Wollindustrie oder Achter & Ebels prägten mit über 1.000 Mitarbeitern pro Betrieb das Wirtschaftsleben und garantierten Vollbeschäftigung. 

Zentrale historische Fabrikstandorte
  • Monforts Quartier (Schwalmstraße 301): Ehemals Sitz der Textilmaschinenfabrik Monforts, ist dieses denkmalgeschützte Areal heute ein lebendiges Gewerbe- und Kulturquartier. Hier befindet sich auch das TextilTechnikum, das historische Webmaschinen und Zeugnisse der Stadtgeschichte bewahrt.
  • Hego Höfe (Egerstraße 2): Dieser Standort im Stadtteil Rheydt beherbergte früher die Froriep-Maschinenfabrik und dient heute als Quartier für Gewerbe, Kultur und Sport.
  • Tuchfabrik Willy Schmitz (Sachsenstraße 20): Ein Traditionsunternehmen, das seit über 90 Jahren am Standort aktiv ist und früher wie heute hochwertige Textilien produziert.
  • Achter & Ebels: Eine bedeutende historische Textilfirma, von deren ehemaligen Produktionsstätten (aktiv ca. 1927–1941) noch Bilddokumente im TextilTechnikum existieren.
  • Alte Lederfabrik (Rheindahlen-Mitte): Ein historischer Standort im Stadtteil Rheindahlen, der den Wandel von einer Gerberei zur Lederfabrik dokumentiert.
  • Textilfabriken in Giesenkirchen: Hier siedelten sich Ende des 19. Jahrhunderts Betriebe wie die Wollspinnerei Otto Klöters (Konstantinstraße, 1897), Mühlen, Pelzer & Co. (1898) sowie Pferdmenges & Scharmann (1907) an. 

Weitere bedeutende Orte der Industriekultur

  • Bleichwiesen am Abteiberg: Historisch dienten die Flächen unterhalb des Münsters der Textilveredelung und Bleiche.
  • Webschulstraße: Der Name erinnert an die historische Bedeutung der Textilausbildung; heute ist dort unter anderem die Firma Texturelab ansässig.
  • Schloss Rheydt: Das Museum im Schloss widmet sich in einer speziellen Abteilung der Stadtgeschichte der „Textilstadt Mönchengladbach“. 

Viele ehemalige Fabrikgebäude wurden im Laufe der Zeit zu Wohnhäusern, Warenhäusern oder modernen Gewerbeparks umgenutzt. Eine detaillierte Übersicht aller 27 Stationen bietet die TextilRoute, die als Web-App oder Faltkarte (erhältlich im Schloss Rheydt oder beim TextilTechnikum) verfügbar ist. 

Der Wandel: Krise und Strukturwandel

Ab Mitte der 1960er Jahre geriet das textile Monostruktur-Modell in eine tiefe Krise. Der „stille Untergang“ dauerte bis in die 1980er Jahre an. Heute wird dieses Erbe durch Projekte wie die TextilRoute touristisch und kulturell aufgearbeitet. 

Die Gegenwart: Diversität und Logistik

Mönchengladbach hat sich zu einem vielseitigen Standort entwickelt. 

  • Industrie: Neben dem verbliebenen Textil-Know-how (oft in Nischen oder Techniktextilien) bilden der Maschinenbau und die Elektroindustrie starke Säulen.
  • Handel & Logistik: Die Stadt nutzt ihre Lage am Niederrhein als Drehkreuz für globale Lieferketten. Große Einkaufszentren wie das Minto dominieren den modernen Einzelhandel in der Innenstadt.
  • Herausforderungen: Der stationäre Handel steht heute unter Druck durch Online-Plattformen und sucht nach neuen Alleinstellungsmerkmalen.