Römerzeit
In Mönchengladbach gibt es heute kaum direkt sichtbare oberirdische Historische Relikte aus der Römerzeit im Stadtbild. Die meisten Funde sind unter der Erdoberfläche verborgen oder befinden sich in Museen. In der Stadt selbst weisen oft nur noch Straßennamen oder Informationstafeln auf die römische Vergangenheit hin, da die Siedlungsreste in der Regel nach den Ausgrabungen zum Schutz wieder verfüllt oder überbaut wurden. Obwohl keine Ruinen (wie etwa in Trier oder Xanten, aber auch im benachbarten Neuss) im Freien stehen, ist das Stadtgebiet reich an antiken Spuren:
- Vicus Mülfort: Im Stadtteil Mülfort befand sich ab etwa 20 v. Chr. eine bedeutende römische Siedlung (Vicus) an einer Straßenkreuzung. Dort wurden unter anderem Töpferöfen und Nekropolen (Gräberfelder) ausgegraben. Sichtbar sind diese heute jedoch meist nur noch als eingetragene Bodendenkmäler unter der Erde.
- Abteiberg: Geologen vermuten unter dem Abteiberg Reste eines römischen Tempels. Der gesamte Berg ist als Bodendenkmal klassifiziert, um die im Boden verborgenen historischen Schichten zu schützen.
- Münzschatz von Rheindahlen: Auf einem Acker in Rheindahlen wurde ein bedeutender römischer Münzschatz mit über 1.200 Geldstücken aus der späten Römerzeit entdeckt. Siehe unten
- Museum Schloss Rheydt: Das städtische Museum beherbergt archäologische Funde der Region, darunter auch Objekte aus der Antike.
- LVR-Amt für Bodendenkmalpflege: Viele Funde aus Mönchengladbacher Grabungen (wie die aus Mülfort oder Geneicken) werden wissenschaftlich dokumentiert und teilweise in Ausstellungen des Landschaftsverbands Rheinland (LVR) gezeigt.
Münzschatz von Rheindahlen.
Der Münzschatz von Rheindahlen ist ein bedeutender archäologischer Fund aus dem Jahr 2018, der in einem Acker im Mönchengladbacher Stadtteil Rheindahlen entdeckt wurde. Er gilt als einer der umfangreichsten Funde spätrömischer Münzen in der Region.
Die wichtigsten Fakten zum Fund:
Entdeckung: Gefunden wurde das Depot von zwei Hobby-Sondengängern, die ihre Entdeckung ordnungsgemäß den Behörden meldeten. Daraufhin führten Archäologen des LVR-Amtes für Bodendenkmalpflege im Rheinland eine Notgrabung durch.
Umfang: Der Schatz besteht aus insgesamt fast 1.250 Münzen.
Material: Es handelt sich überwiegend um kleine Kupfermünzen (Folles).
Datierung: Die Prägungen stammen aus der spätrömischen Zeit, insbesondere aus der Regierungszeit von Kaiser Konstantin dem Großen (Anfang des 4. Jahrhunderts n. Chr.).
Bedeutung des Schatzes:
- Wissenschaftlicher Wert: Während der materielle Wert der einzelnen Kupfermünzen eher gering ist, ist der historische Wert für die Forschung enorm. Er gibt Aufschluss über den Geldumlauf und die Besiedlungsgeschichte am Niederrhein in einer Zeit des Umbruchs.
- Motive: Auf den Münzen sind Porträts der damaligen Kaiser sowie religiöse oder symbolische Motive zu sehen, wie etwa der Gott Merkur (Schutzpatron der Händler).
- Rätselhafte Herkunft: Warum der Schatz vergraben wurde – ob als Versteck in einer Notsituation oder als rituelles Opfer – ist bis heute Gegenstand von Spekulationen.
Mittelalter
Im Gegensatz zur Römerzeit sind aus dem Mittelalter in Mönchengladbach beeindruckende Bauwerke und Ruinen direkt im Stadtbild sichtbar. Besonders der Abteiberg bewahrt das Erbe der Benediktinerabtei, die im 10. Jahrhundert gegründet wurde.
Top 3 sichtbare mittelalterliche Relikte
- Münster St. Vitus: Das markanteste Wahrzeichen der Stadt thront auf dem Abteiberg. Die Krypta stammt bereits aus dem 11. Jahrhundert, während die berühmte hochgotische Chorhalle 1275 geweiht wurde. Im Inneren finden sich mittelalterliche Kunstwerke wie ein tragbarer Altar aus dem 12. Jahrhundert.
- Stadtmauer & Kampenturm: Im Geropark am Fuße des Abteibergs sind Reste der spätmittelalterlichen Stadtbefestigung erhalten. Zu sehen ist ein etwa 50 Meter langes Mauerstück mit Schießscharten sowie der Kampenturm, ein hufeisenförmiger Schalenturm aus dem frühen 15. Jahrhundert.
- Schloss Rheydt: Auch wenn das heutige Schloss primär als bedeutendes Renaissance-Denkmal gilt, basieren Teile der Anlage auf einer mittelalterlichen Wasserburg.

Historische Relikte
Weitere Spuren
In den Außenbezirken von Mönchengladbach-Wanlo wurde im Frühsommer 2019 eine bedeutende hochmittelalterliche Hofanlage aus dem 10. bis 13. Jahrhundert dokumentiert. Die Entdeckung erfolgte im Rahmen archäologischer Untersuchungen für den Neubau der Landesstraße L354n zwischen Wanlo und Erkelenz-Kaulhausen.
Details der archäologischen Funde
Die Ausgrabungen legten ein für diese Zeit typisches, umgrenztes Hofareal frei. Zu den wichtigsten Befunden gehören:
Gebäudestrukturen: Es wurden die Pfostenstellungen von mindestens fünf Gebäuden identifiziert. Dabei handelte es sich um ebenerdige Pfostenbauten, die in locker gestreuter Anordnung auf dem Gelände verteilt waren.
Wirtschaftseinrichtungen: Archäologen dokumentierten eine Flachsdarre sowie zwei Brunnen, was auf eine spezialisierte landwirtschaftliche Nutzung hindeutet.
Historischer Verkehrsweg: Das Hofareal lag an einem alten, heute nicht mehr genutzten Verbindungsweg zwischen Wanlo und Keyenberg. In diesem Weg wurden tiefe Karrenspuren gefunden, die über einen langen Zeitraum immer wieder mit Kies aufgefüllt worden waren.
Lage: Der Fundplatz befand sich südlich von Wanlo und bildete ein Verbindungsglied zwischen den größeren Anlagen Wilderather Hof und Schwalmerhaus.
Bedeutung der Fundstelle
Die Anlage gilt als „außerordentlich interessanter Fundplatz“, da sie einen detaillierten Einblick in die hochmittelalterliche Besiedlungsgeschichte der Region gibt. Die Ergebnisse der Grabung wurden in der Schriftenreihe „Archäologische Quellen“ unter dem Titel Zwischen zwei Rittergütern: eine hochmittelalterliche Hofstelle in Mönchengladbach-Wanlo publiziert.
