Die Gladbacher Aktien-Spinnerei und Weberei (GASW), einst eines der bedeutendsten Textilunternehmen der Region, prägte über ein Jahrhundert lang das Gesicht Mönchengladbachs als „Rheinisches Manchester“. Heute dient ein Großteil der erhaltenen Gebäude am Platz der Republik 1 (ehemals Lürriper Straße 43) als Standort für das Berufskolleg für Technik und Medien.
Die Architektur der Gladbacher Aktien-Spinnerei und Weberei markierte den Beginn des industriellen Zeitalters in der Region.
Bauliche Merkmale und Konstruktion
Das Gebäude wurde im Jahr 1854 als erste Fabrik im modernen industriellen Sinne in Gladbach errichtet. Zu den architektonischen Besonderheiten gehören:
- Bauweise: Die Fabrik wurde als mehrgeschossiger Backsteinbau konzipiert, wie er für die Textilindustrie des 19. Jahrhunderts typisch war.
- Tragwerk: Im Inneren kamen Kappendecken zum Einsatz. Im Kellerbereich werden diese zusätzlich durch eine Reihe von gusseisernen Stützen getragen.
- Fenster: Die Fassade ist durch Fenster mit Blausteinfensterbänken gegliedert. Bei späteren Sanierungen wurden hier spezielle Abdeckbleche mit Gefälle integriert, um Feuchtigkeitsprobleme zu beheben, ohne das historische Erscheinungsbild zu beeinträchtigen.
- Obergeschoss: Die Decke des Obergeschosses ruht auf sichtbaren Stahlträgern, die im Zuge einer Erneuerung des Dachs in den 1960er Jahren installiert wurden.
Nach dem Ende der Textilproduktion wurde das Areal einer neuen, öffentlichen Nutzung zugeführt:
- Bildungsstandort: Das markante Hauptgebäude mit seiner Ziegelfassade beherbergt heute das Berufskolleg für Technik und Medien der Stadt Mönchengladbach.
- Architektonisches Erbe: Besonders charakteristisch sind die Ziertürme des Gebäudes, die als weithin sichtbare Wahrzeichen am Platz der Republik erhalten geblieben sind.
- Denkmalschutz: Die historischen Teile des Komplexes stehen unter Denkmalschutz, um die Erinnerung an die industrielle Blütezeit der Stadt zu bewahren
Geschichte und Entstehung
- Gründung (1853/1854): Die Gesellschaft wurde 1853 gegründet, um die industrielle Garn- und Gewebeproduktion in Gladbach massiv voranzutreiben. Der Bau des Hauptwerks am heutigen Platz der Republik begann 1854.
- Blütezeit: Vor dem Ersten Weltkrieg war das Unternehmen ein Gigant der Branche und beschäftigte über 1.000 Mitarbeiter. Das Fabrikareal galt aufgrund seiner Architektur als eines der „stattlichsten Industrieschlösser“ Deutschlands.
- Krisen und Kriege: In den 1920er Jahren (1927/28) erfolgten umfassende Umbauten. Während des Zweiten Weltkriegs (1939–1945) wurde der Komplex teilweise zerstört, jedoch nach 1945 wieder aufgebaut und umgestaltet.
- Niedergang: Wie viele Betriebe der deutschen Textilindustrie geriet auch die GASW in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts durch globale Konkurrenz unter Druck, was schließlich zur Einstellung des Betriebs führte.

