Mönchengladbach ist deutschlandweit die einzige Stadt mit zwei Hauptbahnhöfen (Mönchengladbach Hbf und Rheydt Hbf). Das liegt vor allem an der Geschichte der Stadt und einer Prise lokalem Eigensinn.
Eine Stadt – zwei Hauptbahnhöfe

- Zusammenlegung zweier Städte: Im Zuge der Gebietsreform von 1975 wurden die damals eigenständigen Großstädte Mönchengladbach und Rheydt zwangsvereinigt. Beide Städte brachten ihren eigenen Hauptbahnhof in die neue Stadtgemeinschaft ein.
- Keine Umbenennung durch die Bahn: Nach der Fusion verzichtete die Deutsche Bundesbahn auf eine Umbenennung des Rheydter Bahnhofs (etwa in „Mönchengladbach-Rheydt“), vermutlich um Kosten und Aufwand zu sparen.
- Widerstand aus der Bevölkerung: Spätere Pläne, den Status des Rheydter Bahnhofs herabzustufen oder ihn umzubenennen, stießen auf heftigen Protest der Bürger und der Lokalpolitik. Man fürchtete den Verlust an Prestige und eine Vernachlässigung des Standorts.
- Einzigartiger Status: Da der Name „Rheydt Hauptbahnhof“ beibehalten wurde, behielt Mönchengladbach offiziell beide Hauptbahnhöfe und nutzt dies heute oft als kurioses Alleinstellungsmerkmal.
Eine Stadt – zwei Hauptbahnhöfe
Mönchengladbach Hbf
Der Mönchengladbacher Hauptbahnhof blickt auf eine über 170-jährige Geschichte zurück und stellt heute einen der zentralen Verkehrsknotenpunkte am Niederrhein dar. Von seinen Anfängen in der Mitte des 19. Jahrhunderts bis hin zu den aktuellen Modernisierungsprojekten spiegelt er die industrielle und städtebauliche Entwicklung Mönchengladbachs wider.
Die Anfänge und der erste Bahnhof (1851)
Die Eisenbahngeschichte in Mönchengladbach (damals noch München-Gladbach) begann im Jahr 1851 mit der Errichtung des ersten Bahnhofs. Dieser entstand als Gemeinschaftsprojekt der Aachen-Düsseldorfer und der Ruhrort-Crefelder Eisenbahn. Das ursprüngliche Empfangsgebäude wurde in einer sogenannten Insellage errichtet, was bedeutete, dass es beidseitig von Gleisen umschlossen war. Im Obergeschoss befanden sich damals noch Dienstwohnungen für das Personal.

Neubau und Glanzzeit (1900–1945)
Nach der Jahrhundertwende entsprach der Inselbahnhof nicht mehr den wachsenden Anforderungen des Schienenverkehrs. Unter der Leitung des Architekten G.C. Bensel wurde er durch einen modernen Durchgangsbahnhof ersetzt. Ein markantes Merkmal dieser Ära war die fünfschiffige Bahnsteighalle, die 1907 von der Tillmanschen Eisenbau Actiengesellschaft fertiggestellt wurde. Sie überspannte den Hausbahnsteig sowie mehrere Insel- und Gepäckbahnsteige und prägt in ihrer Grundform bis heute das Bild der Anlage.
Zerstörung und Wiederaufbau (1945–1952)
Der Zweite Weltkrieg hinterließ am Bahnhof schwere Schäden. Bei Kriegsende im Jahr 1945 standen vom Empfangsgebäude lediglich noch die Seitenwände. Beim Wiederaufbau im Jahr 1952 entschied man sich für eine vereinfachte Form des Stationsgebäudes, wobei die verbliebenen Mauerreste teilweise integriert wurden. Auch die große Bahnsteighalle blieb in einer funktionaleren Version erhalten.
Der Weg in die Moderne und aktuelle Sanierungen
In den letzten Jahrzehnten hat sich der Bahnhof kontinuierlich weiterentwickelt:
- ICE-Anschluss: Ein Meilenstein war der 16. Dezember 2013, als der erste ICE auf der Verbindung Aachen–Berlin planmäßig im Hauptbahnhof hielt.
- Städtebauliche Aufwertung: Im Jahr 2012 fand eine umfassende Sanierung statt. Aktuell wird das Umfeld durch den Neubau des Zentralen Omnibusbahnhofs (ZOB) am Europaplatz modernisiert, um Barrierefreiheit und moderne Fahrgastinformationssysteme zu gewährleisten.
- Zukunftsaussichten: Die Deutsche Bahn investiert derzeit rund zwölf Millionen Euro in die Erneuerung der Bahnsteige, Aufzüge und des Gleisdachs. Eine umfassende Sanierung des Empfangsgebäudes ist für den Zeitraum ab dem Jahr 2029 geplant, um das Gebäude energetisch und funktional für die Zukunft zu rüsten.
Heute ist der Mönchengladbacher Hauptbahnhof nicht nur ein wichtiges Denkmal der Verkehrsgeschichte, sondern durch seine Lage am Europaplatz 1 das pulsierende Herzstück der städtischen Mobilität.
Bild zeigt den Hauptbahnhof Rheydt vor dem Umbau

Rheydter Hbf
Der Rheydter Hauptbahnhof blickt auf eine über 170-jährige Geschichte zurück, die ihn von einem regionalen Knotenpunkt im 19. Jahrhundert zu einem modernen Dienstleistungszentrum der Gegenwart führte.
Die Anfänge und der Aufstieg zum Hauptbahnhof
Die Geschichte des Bahnhofs begann am 12. August 1852, als die Aachen-Düsseldorfer Eisenbahn-Gesellschaft die Verbindung von Rheydt nach Norden eröffnete. Wenige Monate später, am 12. November 1852, folgte die Strecke nach Herzogenrath, wodurch Rheydt fest in das rheinische Schienennetz integriert wurde.
Mit der Eröffnung weiterer Strecken, wie der Verbindung nach Odenkirchen im Jahr 1870, entwickelte sich der Bahnhof zu einem bedeutenden Durchgangsbahnhof. Seinen Status als Hauptbahnhof verdankt er der einstigen Eigenständigkeit der Stadt Rheydt. Als Rheydt 1975 eingemeindet wurde, behielt die Station ihren Namen und Titel bei, was Rheydt bis heute eine verkehrshistorische Besonderheit verleiht.
Wandel im 20. und 21. Jahrhundert
Nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs wurde das Empfangsgebäude in den 1950er Jahren in vereinfachter Form wieder aufgebaut. Über Jahrzehnte hinweg prägte dieses Gebäude das Stadtbild, galt jedoch zunehmend als marode und nicht mehr zeitgemäß.
Im Jahr 2021 begann eine Zäsur: Das alte Empfangsgebäude wurde abgerissen, um Platz für eine umfassende Neugestaltung zu machen. Im Rahmen dieses Projekts durch die Entwicklungsgesellschaft der Stadt Mönchengladbach (EWMG) entstand ein moderner Neubau, der folgende Funktionen vereint:
- Polizeiwache: Eine hochmoderne Dienststelle der Polizei, die im Herbst 2024 ihren Betrieb aufnahm.
- Dienstleistungen & Handel: Flächen für Gastronomie, Kioske und Banken sowie Büroetagen.
- Nachhaltigkeit: Die Architektur zeichnet sich durch eine 200 Quadratmeter große Grünfassade und Dachbegrünung aus, um das Mikroklima im Viertel zu verbessern.
Heutige Bedeutung
Heute präsentiert sich der Rheydter Hauptbahnhof als repräsentatives Eingangstor zum Stadtteil Rheydt. Durch die Modernisierung, die im Sommer 2024 feierlich abgeschlossen wurde, fungiert er nicht mehr nur als reine Verkehrsstation, sondern als belebtes Zentrum für Reisende und Bürger. Er bleibt ein wichtiger Halt für den Regionalverkehr, unter anderem für Linien, die an das Rhein-Ruhr-Express-Netz (RRX) angebunden sind.
