Das ehemalige Polizeipräsidium an der Theodor-Heuss-Straße 149 ist ein Denkmal der Stadtgeschichte, das über Jahrzehnte die Grenze zwischen Mönchengladbach und Rheydt markierte. Es wurde im Auftrag des deutschen Staates (damals das Deutsche Reich) errichtet. Da es sich um einen staatlichen Zweckbau der Nationalsozialisten handelte, lag die Planung und Ausführung in der Verantwortung der staatlichen Bauverwaltung.
Bau und Architektur (1938–1939)
Die Entstehung des Gebäudekomplexes ist eng mit dem Ende der belgischen Besatzung des Rheinlandes verbunden. Ursprünglich als Polizeikaserne oder Schupo-Kaserne geplant, wurde das Gebäude in den Jahren 1938 bis 1939 errichtet. Die Architektur spiegelt den monumentalen Stil der Zeit wider und wurde strategisch an der damaligen Stadtgrenze platziert. Seit dem 9. August 1988 steht das Objekt aufgrund seiner historischen und architektonischen Bedeutung in der Denkmalliste der Stadt Mönchengladbach.

Das Präsidium in der NS-Zeit
Während der Zeit des Nationalsozialismus diente das Gebäude als zentraler Stützpunkt für den polizeilichen Überwachungs- und Repressionsapparat.
- Zentrale der Macht: Wie in anderen Großstädten war auch das Präsidium in Mönchengladbach ein Ort, von dem aus die Verfolgung politischer Gegner sowie die Deportation der jüdischen Bevölkerung mitorganisiert wurde.
- Luftangriffe: Die Stadt, damals oft als „München Gladbach“ bezeichnet, war Ziel schwerer Bombardierungen, insbesondere im August 1943 und Februar 1945, was auch die Infrastruktur der Sicherheitsbehörden belastete.
Entwicklung ab 1945
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs unterlag die Nutzung des Gebäudes einem radikalen Wandel, weg vom Instrument der Diktatur hin zu einer rechtsstaatlichen Institution.
Wissenscampus und Zukunft: Aktuell wird das Areal in einen Wissens- und Innovationscampus umgewandelt. Über acht Millionen Euro fließen in die Revitalisierung, um das denkmalgeschützte Gelände für neue Nutzungen zu öffnen, wobei erste Teilbereiche ab 2023 bezogen werden sollten.
die Revitalisierung des alten Polizeipräsidiums zum Wissens- und Innovationscampus (WIC) beschreibt den bemerkenswerten Wandel von einer geschlossenen Festung hin zu einem offenen Ort der Bildung und Begegnung.
Die Vision des Wandels
Nach Jahrzehnten der Nutzung als streng abgeschirmtes Sicherheitsareal steht das alte Polizeipräsidium heute im Zentrum eines der ambitioniertesten Stadtentwicklungsprojekte Mönchengladbachs. Ziel ist es, die historische Bausubstanz nicht nur zu erhalten, sondern sie durch moderne Architektur in einen Wissenscampus zu verwandeln. Dabei soll der Geist der „Kontrolle“, der dem Gebäude seit 1938 innewohnte, durch Offenheit und Innovation ersetzt werden.
Die Architekten und ihre Konzepte
Für die Planung und Umsetzung dieses Wandels sind maßgeblich zwei Akteure verantwortlich:
- Der Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW (BLB NRW): Als Eigentümer koordiniert der BLB die Sanierung. Er sorgt dafür, dass die strengen Auflagen des Denkmalschutzes eingehalten werden, während gleichzeitig modernste Technik in die alten Mauern einzieht.
- HPP Architekten (Düsseldorf): Dieses international renommierte Büro wurde mit der Masterplanung und der baulichen Umsetzung betraut. HPP ist bekannt für den sensiblen Umgang mit Bestandsarchitektur. Ihr Entwurf sieht vor, die wuchtige Riegelstruktur des Komplexes aufzubrechen und durch transparente Elemente sowie begrünte Innenhöfe eine einladende Atmosphäre zu schaffen.
Bauliche Besonderheiten der Revitalisierung
Die Herausforderung für die Architekten liegt in der Dualität von Alt und Neu:
- Fassadenerhalt: Die charakteristische Klinkerfassade bleibt erhalten, um das historische Stadtbild zu wahren.
- Innere Entkernung: Im Inneren werden kleinteilige Zellen- und Bürolayouts entfernt, um Platz für flexible Co-Working-Spaces, Labore und Hörsäle zu schaffen.
- Nachhaltigkeit: Ein Fokus liegt auf der energetischen Sanierung, was bei einem Denkmal dieser Größe (über 15.000 m² Nutzfläche) eine technische Meisterleistung darstellt.
Die zukünftige Nutzung
Der Campus soll eine Brücke zwischen der Hochschule Niederrhein und der lokalen Wirtschaft schlagen. Geplant sind Flächen für Start-ups, Forschungseinrichtungen und Fortbildungszentren. Besonders symbolträchtig ist dabei die Öffnung des Geländes für die Öffentlichkeit: Wo früher Zäune und Wachen den Zutritt verwehrten, entsteht nun ein Quartier, das durch Gastronomie und Veranstaltungsflächen zur Belebung des Stadtteils Dahl beiträgt.
Bauliche Entwicklung des ehemaligen Polizeipräsidiums
| Zeitraum / Phase | Ereignis / Entwicklung | Details |
|---|---|---|
| 1938 – 1939 | Entstehung & Bau | Das Gebäude wurde als Polizei- bzw. Schupo-Kaserne an der damaligen Stadtgrenze errichtet. |
| 1945 – 2018 | Nutzung als Präsidium | Über Jahrzehnte diente der Bau als zentrale Dienststelle der Mönchgladbacher Polizei. |
| Bis 2018 | Neubau-Planung | Aufgrund von Platzmangel und Sanierungsbedarf wurde ein Neubau an der Krefelder Straße beschlossen. |
| 2018 | Auszug der Polizei | Die Behörde zog in den modernen Neubau (Investitionsvolumen ca. 50,7 Mio. €) um. |
| Seit 2020 | Nachnutzungskonzept | Start der Planungen für den Wissens- und Innovationscampus für Start-ups und hochschulnahe Einrichtungen. |
| 2023 – 2024 | Sanierung & Strukturwandel | Bewilligung von Fördermitteln (über 8 Mio. €) für den Umbau zum Innovationszentrum. |
Das unter Denkmalschutz stehende Hauptgebäude bleibt dabei als historisches Zeugnis erhalten, während das Areal schrittweise für neue Forschungs- und Wirtschaftsformen modernisiert wird.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Projekt unter der Leitung des BLB NRW und HPP Architekten zeigt, wie belastete historische Orte durch intelligente Architektur eine neue, positive Identität erhalten können.
