Das Bökelbergstadion war über 85 Jahre lang weit mehr als nur eine Sportstätte; es war das emotionale Zentrum von Mönchengladbach und der Geburtsort des „Mythos Borussia“. In seiner aktiven Zeit (bis 2004) prägte es die Identität der Stadt als Fußballhochburg und gilt bis heute als eine der legendärsten „Kultstätten“ des deutschen Fußballs.

Bökelbergstadion
Die historische Bedeutung für Mönchengladbach
- Heimat der „Fohlenelf“: In den 1970er-Jahren wurde das Stadion zum Schauplatz einer goldenen Ära. Unter Trainer Hennes Weisweiler dominierte die Borussia mit einer jungen, offensiven Mannschaft – den „Fohlen“ – die Bundesliga und feierte fünf Meisterschaften sowie internationale Erfolge.
- Enge und Atmosphäre: Das Stadion im Stadtteil Eicken war bekannt für seine steilen Tribünen und die extreme Nähe der Fans zum Spielfeld. Diese Beengtheit schuf eine einschüchternde Atmosphäre für Gegner und festigte den Ruf des „Bökelbergs“ als uneinnehmbare Festung.
- Legendenbildung: Ereignisse wie der berühmte Pfostenbruch vom Bökelberg (1971 gegen Werder Bremen) oder der „Büchsenwurf“ gegen Inter Mailand sind untrennbar mit dem Stadion verbunden und machten es weltweit bekannt.
- Identität des Quartiers: Der Verein hat seine Ursprünge im Quartier Eicken, wo das Stadion tief im Stadtbild verwurzelt war und bis heute Spuren hinterlassen hat.
Das Stadion heute: Ein Ort der Erinnerung
Nach dem Umzug in den modernen BORUSSIA-PARK im Jahr 2004 wurde das alte Stadion abgerissen und in eine Wohnsiedlung umgewandelt. Dennoch bleibt die Bedeutung für die Stadt durch verschiedene Elemente lebendig:
- Erinnerungsort Bökelberg: An der Ecke Kohlbüklstraße wurde eine Gedenkstätte mit originalen Stadionstufen, einem Flutlichtmast und der Anzeigetafel errichtet.
- Architektonische Relikte: In der heutigen Wohnsiedlung sind Reste der alten Traversen und die Haupttreppe als Teil der Landschaftsgestaltung erhalten geblieben.
Der Mythos des Bökelbergs
Der Mythos des Bökelbergs speist sich aus Momenten, die teils kurios, teils triumphal und teils tragisch waren. Hier sind die bedeutendsten Spiele, die das Stadion zur Legende machten:
1. Der Pfostenbruch (3. April 1971)
In der Partie gegen Werder Bremen ereignete sich eines der skurrilsten Kapitel der Bundesliga-Geschichte.
- Das Ereignis: Stürmer Herbert Laumen stürzte nach einer Offensivaktion ins Netz, woraufhin der linke Pfosten des Holztors brach.
- Die Folge: Da kein Ersatz bereitstand, brach der Schiedsrichter das Spiel beim Stand von 1:1 ab.
- Das Urteil: Das Spiel wurde am „grünen Tisch“ mit 2:0 für Bremen gewertet. Dennoch wurde Gladbach am Ende der Saison mit einem Punkt Vorsprung Meister.
- Nachwirkung: Seitdem müssen Tore in der Bundesliga aus Aluminium gefertigt sein.
2. Das Büchsenwurf-Spiel (20. Oktober 1971)
Nur Monate später folgte das wohl berühmteste Spiel der Vereinsgeschichte im Europapokal gegen Inter Mailand.
- Die Leistung: Die „Fohlen“ spielten Inter in Grund und Boden und gewannen furios mit 7:1.
- Der Skandal: Während des Spiels wurde der Mailänder Spieler Roberto Boninsegna von einer leeren Limonadenbüchse getroffen und sank zu Boden.
- Die Konsequenz: Trotz des Kantersiegs annullierte die UEFA die Partie. Das Wiederholungsspiel in Berlin endete 0:0, und Gladbach schied nach einer Niederlage im Rückspiel aus.
- Relikt: Die berühmte Büchse ist heute im Vereinsmuseum „FohlenWelt“ ausgestellt.
3. Das 12:0 gegen Borussia Dortmund (29. April 1978)
Am letzten Spieltag der Saison 1977/78 gelang Gladbach der bis heute höchste Sieg in der Geschichte der Fußball-Bundesliga.
Die Dramatik: Gladbach benötigte einen extrem hohen Sieg, um den punktgleichen 1. FC Köln im Kampf um die Meisterschaft noch über das Torverhältnis abzufangen.
Das Ergebnis: Die Mannschaft überrollte Dortmund förmlich. Jupp Heynckes erzielte allein fünf Treffer.
Bitterer Beigeschmack: Trotz des 12:0 reichte es nicht zum Titel, da Köln zeitgleich mit 5:0 gegen St. Pauli gewann und somit mit drei Toren Vorsprung Meister wurde.
Hinweis: Dieses Spiel fand aufgrund von Umbauarbeiten am Bökelberg im Düsseldorfer Rheinstadion statt, wird aber untrennbar mit der Ära der Fohlenelf dieser Zeit verbunden.
4. Das letzte Spiel (22. Mai 2004)
Der emotionale Abschied vom Bökelberg markierte das Ende einer Ära.
Der Moment: Mit einem 3:1-Sieg verabschiedete sich der Verein von seiner Kultstätte, bevor der Umzug in den BORUSSIA-PARK erfolgte.
Der Gegner: Am 34. Spieltag der Saison 2003/04 empfing die Borussia den TSV 1860 München.
Oktober 2005, die Haupttribüne des Bökelbergstadions

